Dienstag, 21. Juli 2020

27) Die Unmöglichkeit der Rente
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Die Unmöglichkeit der Rente

Jeder von uns träumt von einem ruhigen, sorgenlosen Lebensabend ohne Stress. Besonders Vertreter von Rentenversicherungen zeigen uns Bilder von glücklich lächelnden Sechzigern und Siebzigern, wenn sie ihre Produkte an den Mann bringen wollen.
Zu früheren Zeiten baute der Familienvater ein Geschäft auf, das der Sohn dann weiterführen sollte, oder zeugte sehr viele Kinder, die ihn im Alter versorgen konnten. So lebten meist drei aber oft auch vier Generationen unter einem Dach, wenn sie es bis in ein so hohes Alter überhaupt schafften. Ich denke hier nicht an Hundertjährige. Die Frau bekam ihr erstes Kind mit 15. So konnte sie mit “Glück oder Pech“ mit 30 eventuell schon Großmutter sein und mit 45 bereits Urgroßmutter. Heute sind wir erstaunt, wenn jemand erzählt, sie/er habe 3-4-5 oder gar 6 Geschwister.
Diese “Kinderarmut“ ist eine Notwendigkeit, besonders in Europa, da wir nach China und Indien die Region mit der größten Bevölkerungsdichte haben.
Aber wer versorgt uns, wenn wir einmal alt werden?
Bismarck, einer der größten Betrüger der deutschen Geschichte, führte damals die staatliche Rente ein. Er brauchte Geld, um seine gewaltigen, militärischen und politischen Ziele zu verwirklichen. Hätte er dem kleinen Bürger ehrlich gesagt, dass er, Bismarck, ein Umkrempeln Europas vor Augen hat, hätte man ihm dafür wahrscheinlich keinen Groschen gegeben. Aber Bismarck wusste, dass er bis zur fälligen Auszahlung der Renten sowieso nicht mehr an der Macht sein würde. Also nahm er das Geld und verwendete es anderweitig.
Im ersten Weltkrieg ging dann alles verloren. Danach fing man wieder damit an (Der kleine Mann hatte offensichtlich nichts dazugelernt.), was 1929 der Weltwirtschaftskrise zum Opfer fiel. Die nächsten Ersparnisse gingen im 2. Weltkrieg verloren. Aber der Glaube an die Rente, dieser unermüdliche Geist, wollte nicht sterben. Und so begann man wieder, dem Staat sein hart Erarbeitetes abzutreten. Doch 1990, zur Zeit des Zusammenbruchs des Kommunismus, brach kein Krieg, oder nur ein kleinerer in Jugoslawien, aus, der das Gesicht des Staates hätte retten können. Schon Ende der Siebziger mussten Staatsväter erkennen, dass weder das nicht vorhandene Bevölkerungswachstum, noch die Einwanderung von vor allem türkischen Gastarbeitern die immer steigende Zahl an Rentnern würde versorgen können. Rechnen wir einmal nach! Um einen Rentner zu finanzieren, müssen ungefähr 10 Jüngere eine Rentenabgabe bezahlen. Nehmen wir weiterhin an, dass nur 7 von diesen Jüngeren es bis zum Rentenalter schaffen, dann brauchen wir für diese schon 70 Jüngere. Die Bevölkerung müsste sich nach dieser Rechnung alle 2-3 Generationen verdoppeln. Jeder normal denkende wird mir zustimmen, dass das einfach Blödsinn ist. Zudem leben wir immer länger, also werden immer älter.
Es gibt jetzt zwei Möglichkeiten, dieses Problem zu lösen:
-       Das Rentenalter wird heraufgesetzt
-       Die Bevölkerung wird dazu bewegt, wieder selbst für die Rente zu sorgen
Schon Ende der Siebziger Jahre fing man zum Beispiel in Deutschland an, diese Selbstverantwortung wieder zu fördern. Für Profite müssen Steuern bezahlt werden; nicht so aber für Rentenersparnisse, sie bilden hier eine Ausnahme und die Zinsen sind meist höher, zusätzlich staatlich garantiert.
Das klingt alles sehr schön. Aber was macht nun so ein Arbeiter oder Arzt, der im Alter jetzt plötzlich über eine größere Summe verfügt, die er mit eigener Arbeit ein ganzes Leben lang erspart hat, aber für die er bislang keinerlei Sorge hatte tragen müssen, und zudem meist keinerlei finanztechnische Kenntnisse besitzt?
Hier schlagen ihm die Versicherungen verschiedene Möglichkeiten vor.
-       Die erste: Er vereinbart mit ihr eine feste niedrigere, monatliche Summe auf Lebenszeit. Lebt er lange hat sie verloren, stirbt er bald, hat sie gewonnen (Sie kalkuliert gut und verliert selten. Das ist ein Geschäft.).
-       Die zweite: Er vereinbart mit ihr eine höhere Summe für einen bestimmten Zeitraum (10-20 Jahre). Stirbt er vorher, ist der Rest vererbbar. Lebt er länger, hat er Pech gehabt.
-       Die dritte: Sie tätigt mit seinem Geld Investitionen, zum Beispiel an der Börse. Wird Profit erwirtschaftet, wird ihm dieser nach Abzug von Bearbeitungskosten und Steuern ausbezahlt. Wird Verlust erzielt, hat er verloren. Wenn noch etwas bleibt, entscheiden seine Erben über das weitere Vorgehen.
-       Die vierte: Er investiert selbst an der Börse (Das ist ein Glückspiel, weil er über keine Insiderinformationen verfügt. Er könnte genauso ins Kasino gehen.).
-       Die fünfte: Er legt das Geld in einer Bank an und bekommt jämmerliche Zinsen und ist so gezwungen, sein Kapital langsam aufzuleben.
-       Die sechste: Er investiert in eine Firma und beginnt wieder zu arbeiten, um zu verhindern, dass sein Geld einfach verschwindet.
Es gibt keinen Ausweg!
Und hier kommen wir zur grundsätzlichen Frage, ob so etwas wie eine Rente überhaupt möglich ist. Für eine Rente zurücklegen, heißt sparen und lagern. Suchen wir ein einziges Konsumgut, das man 40 Jahre lang (also vom zwanzigsten bis zum sechzigsten Lebensjahr) aufbewahren kann, ohne dass es seinen Wert einbüßt oder verfault! Hier ist zu bemerken, dass zum Beispiel Gold kein Konsumgut darstellt. Es gibt keines! Lebensmittel werden schlecht und technische Produkte von heute würden in 40 Jahren höchstens das Museum mit Freude in Empfang nehmen.
Deshalb sparen wir Geld. Nun! Nehmen wir eine kleine geschlossene Gemeinschaft von Leuten. Alle arbeiten und produzieren. Jetzt fängt einer an, Geld zu sparen, es dann zu verleihen und von den Zinsen zu leben. “Ideal“ würde jeder rufen. Solange das nur einer macht, gibt es kein Problem damit, dass hinter diesem aus Geld entstandenem Geld kein wirkliches Produkt steht. Aber sobald die Hälfte der Gemeinschaft anfängt, so zu leben, entsteht ein Produktemangel.
Wir müssen arbeiten, bis wir “sprichwörtlich“ umfallen, wollen wir nicht verhungern oder andere damit belasten, uns zu versorgen.
Die Frage ist nur, ob wir nicht ein bisschen Recht auf Versorgung als Rückleistung für geleistete Dienste haben oder ob es nicht einfach ein Menschenrecht ist.
Und wie lange werden uns Staatsmänner/frauen noch ins Gesicht lügen, dass unsere Rentenabgaben für unser Alter zurückgelegt werden?
Wann werden sie uns endlich ehrlich sagen, dass diese eigentlich nichts anderes sind, als zusätzliche Steuern?


Else
Else
Else
Else
Else

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