Mittwoch, 29. Juli 2020

49) der Weg in den Alkoholismus
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Der Weg in den Alkoholismus

Ungefähr 10 Leute sitzen beieinander. Sie feiern. Jeder trinkt 1-2 Bier oder Gläser Wein. Die Stimmung ist gut und um 11 Uhr gehen alle nach Hause. Eine durchzechte Nacht gibt es nur bei Hochzeiten oder anderen größeren Gelegenheiten. Man hat das ja von den Eltern gelernt, von denen viele heute allein zu Hause trinken.
Mit 15 oder 16 fängt man an. Auch die Mädchen trinken, natürlich sehr wenig. Einige Pärchen sind schon Jahre zusammen. Die meisten springen von einem Partner oder von einer Party  zum oder zur anderen. Mit 25 heiraten einige und die letzten um die 30. Es gibt auch einige, die dieses vogelfreie Leben noch weiter treiben. Aber langsam gibt es immer weniger private Partys und irgendwann steht, im Allgemeinen ein Mann dann alleine da.
Keine Partys mehr, und Frauen gibt es in den Kneipen auch nicht, wenn man die zumeist ausgebrannten Kellnerinnen weglässt. Man erinnert sich an die gute Stimmung früherer Partys. Der Alkohol hilft dabei. Der Besuch in der Kneipe wird immer häufiger. Jetzt trinkt man auch mal ein Bier beim Besuch bei den Eltern. Der Alte freut sich, dass er nicht mehr allein trinken muss. Die Mutter sieht das nicht gern, sie hat das Beispiel ihres Mannes vor Augen. „Wann heiratest du endlich?“ kommt die Frage, obwohl sie weiß, dass das niemanden auf Dauer vom Alkohol, der gefährlichsten Droge Europas abhält. Sie ahnt schon, dass er auch allein in seiner kleinen Wohnung immer häufiger zur Flasche greift.
Früher trieb er wenigstens ein bisschen Sport, aber neben dem Alkohol ist das nicht möglich. Am Arbeitsplatz hat man mit 35 seine Grenzen erreicht, es geht nur noch langsam nach oben. Es fehlt der Sinn: „Warum das alles?“ Andere haben ihre Familie und werden davon getrieben. Sie müssen, sie haben keine andere Wahl. Aber sind wir den Tiere, vom Instinkt getrieben? – Ja! Es ist schwierig, ein Ziel zu finden. Wir sind doch keine Philosophen, die Bücher schreiben, sondern normale Leute.
Die Arbeit geht immer schwieriger, man steht nicht mehr so leicht auf. Auch der Vorgesetzte hat schon Bemerkungen gemacht. „Der mit seinem dicken Bauch, der frisst doch alles in sich hinein! Aber es hilft nichts. Dieser Füßeküsser ist der Vorgesetzte.“ Sein Sohn kam letztes Wochenende so betrunken nach Hause, dass er alles vollgekotzt hat. Er sagte zu seinem Sohn: „Wenn du so weitermachst, endest du wie einer unserer Mitarbeiter, dem wir bald kündigen werden!“ Und tatsächlich, er war ein paar Mal morgens zu spät gekommen, seine Arbeit hatte er nicht mehr so gründlich erledigt, ihm wurde gekündigt. Auch die letzten Wochen bis zum Ende der Kündigungsfrist muss er nicht mehr im Büro erscheinen.
Zuerst war er geschockt, obwohl er es schon lange geahnt hatte. „Was jetzt?“ Die erste Woche ist er ständig betrunken, er genießt es buchstäblich, er kann endlich jeden Rausch ausschlafen. Seinen Eltern erzählt er noch nichts. Aber er macht sich doch langsam Sorgen. Einen neuen Arbeitsplatz findet er nicht sofort. So geht das noch ein paar Jahre zwischen verschiedenen Arbeitsplätzen und Kündigungen, bis er dann die Angst und Sorge „Was wird nun aus mir?“ ganz verliert und irgendwann wieder bei seinen Eltern einzieht. Aber die machen das nicht lange. Am Anfang hatte sich sein Vater noch gefreut, jeden Tag einen Trinkpartner zu haben.
Er weiß heute nicht mehr genau, wie es kam: Irgendwann fand er sich auf der Straße, der Alkohol hatte auch die letzte Erinnerung in ihm ausgewischt. Ein Arzt stellt später fest: Totaler geistiger Abbau, nicht besser als eine Kartoffel. Dann bringt man ihn in eine Anstalt. Seine Mutter, die ihn manchmal dort besucht, erkennt er nicht immer. Er weiß auch nicht, dass sie das ganze von ihrer kleinen Rente bezahlt. Dass sein Vater an einem Leberversagen gestorben ist, begreift er nicht mehr. „Es lebe der Alkohol in der Kartoffel!“


Else
Else
Else
Else
Else

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